Ein Sommernachtstraum im Mai

Gartenblumen und Bäume hören sicher selten Musik von  Mozart, Strauß, Marais oder Arnold, dazu noch live gespielt.  Vor kurzem ertönten aber in zwei wunderschön angelegten Gärten am Rande von Bremen klassische Hornklänge und erfreuten ein kleines, exklusives Publikum.Die Hornistin der Bremer Philharmoniker, Ines Köhler, gab zwei Jubilaren ein besonderes Geburtstagsständchen jeweils in deren eigenem Garten, sozusagen „zu Hause“. Wie war es dazu gekommen?

In einer Auktion der Bremer Philharmoniker hatten zwei Familien für ihren Jubilar mitgesteigert und diese Auftritte „gewonnen“. Auslöser war die seit kurzem bestehende Mitgliedschaft der Philharmoniker im „Orchester des Wandels“ (OdW). In dieser Vereinigung haben sich 22 der deutschen Berufsorchester zu einer außergewöhnlichen Aktion zusammengeschlossen und unterstützen mit ihren Konzerten den Klima- und Umweltschutz. Der Erlös der Versteigerung fließt der Aktion unmittelbar zu.

War der Erfolg der Versteigerung schon der wichtigste Schritt, sollte das Konzert aber auch „open air“ stattfinden, d. h. die Wettervorhersage wurde immer wichtiger, je näher der Termin rückte. Mitte Mai könnte man schon Sonnenschein und laue Frühlingsluft erwarten, nicht aber in diesem Jahr, wo sowieso schon alles anders ist, und auch nicht, wenn die “kalte Sophie” bevorsteht. 
Aber das Wetter spielte mit, und einen Blechbläser können auch 14 Grad nicht abschrecken. Dass die Sonne sich im Verlauf des Hornspielens sogar plötzlich blicken ließ, war ein deutliches frohes und ermunterndes Zeichen. Ein Satz aus Mozarts Hornkonzert Es-Dur, die „Empfindungen am Meere“ von Franz Strauß oder das … (Arnold), die Zuhörer waren gefesselt und das halbstündige Gartenkonzert verging wie im Fluge. Dass „Happy Birthday“ gehörte selbstverständlich auch dazu, von einigen mitsingenden Zuhörern verstärkt.  

In einem Garten das “Nocturne” aus Mendelssohns “ Ein Sommernachtstraum” zu spielen, der selbst wie die Kulisse zu diesem Stück anmutet, bereitete einfach nur Freude, der Hornistin und den Zuhörern. Mit dem beschwingten „Les Basques“ von Marais ging das „Home Concert“ unter dem Applaus der Zuhörer zu Ende.

Zwei Geburtstagsständchen, die - ganz unterschiedlich geplant – den Beschenkten viel Freude bereiteten. Während sich der eine Jubilar mit seiner Familie schon direkt nach der gewonnen Versteigerung einige Wochen auf sein Geburtstagsständchen freuen konnte, wusste der andere nichts davon. Dessen  Frau schenkte es ihm als echte und gelungene Überraschung mit coronabedingt nur geringer Zuhörerzahl. Aber alle fanden sich ohne sein Wissen und mit dem vorgeschriebenen Abstand im Garten ein, und der Beschenkte war wirklich überrascht.

Das „etwas andere Konzertformat“, das von den Beschenkten und ihren Gästen mit Begeisterung erlebt wurde, findet auch mit anderen Musikern statt. Dass ein Jubilar als Landschaftsarchitekt seit vielen Jahren aus eigener Überzeugung und auf eigene Rechnung Bäume in die Flur pflanzt, schließt den Kreis zum Orchester des Wandels – nicht geplant, aber trotzdem schön.